Verlängerte Laktation (VerLak)

Überblick
„VerLak“ steht für die gezielte Verlängerung der Laktationsperiode (bzw. Zwischenkalbezeit) in Kombination mit selektivem Trockenstellen, um Tiergesundheit zu stabilisieren und den Antibiotikaeinsatz in Milchviehherden zu senken. Das vom MuD Tierschutz begleitete Projekt lief vom 01.01.2021 bis 31.08.2025 in zehn Praxisbetrieben. 1
Ziele & Ansatz
Weniger Kalbungen bedeuten weniger Hochrisiko-Phasen (Kalbung/Frühlaktation) und eine niedrigere Milchleistung zum Trockenstellen; beides soll Erkrankungen und damit Antibiotikagaben reduzieren. Die Maßnahmen wurden praxisnah erprobt und mit Leitfäden, Schulung und Software unterstützt. 1
TBS-Rechner: das zentrale Werkzeug
Kern der Umsetzung ist der TBS-Rechner (Tierindividueller Besamungsstart). Er empfiehlt den Start der Besamung kuhindividuell auf Basis u. a. des 7-Tage-Milchleistungsdurchschnitts und einer Ziel-Trockenstellleistung; für Erstlaktierende wird wegen anderer Persistenz separat gerechnet. Entwickelt wurde der Rechner an der LFA Mecklenburg-Vorpommern (Tim Kuhlow, Sierk Terpstra). 2, 3 Der Rechner ist als App verfügbar und soll perspektivisch in HERDEplus optional zur Anwendung kommen.
ausgewählte Praxisresultate
Aus den Abschlussberichten und der Abschlussveranstaltung 01.08.2025 werden folgende Kernaussagen berichtet:
- In den VerLak-Betrieben waren Laktationen bei Erstlaktierenden im Mittel +41 Tage, bei Kühen ab 2. Laktation +48 Tage länger (gegenüber Kontrolle). Die Zwischenkalbezeit lag z. B. in einem Großbetrieb um +51 Tage höher (403 → 454 Tage). 4
- Milchmenge: geringerer Tagesdurchschnitt (–1,8 kg/Tag in einem Praxisbeispiel), aber im 305-Tage-Vergleich dennoch +100 kg (Erstlaktierende) bzw. +44 kg (Altkühe) in der Versuchsgruppe. 4
- Eutergesundheit & Abgänge: Keine Hinweise auf höhere Abgangsraten durch verlängerte Laktation; Eutergesundheit insgesamt „nicht optimal“, aber ohne statistisch eindeutige Nachteile durch VerLak. Beim Antibiotikaeinsatz wird ein reduzierender Trend gesehen, statistisch nicht eindeutig. 4
- Umsetzung & Akzeptanz: In den Betrieben wurden keine negativen Effekte auf Management/Brunsterkennung berichtet; teils sogar deutlichere Brunsten und mehr Trächtigkeit bei 1. Besamung. Eine Testversion der App wurde im Netzwerk Fokus Tierwohl freigegeben. 5
Grenzen & Voraussetzungen
Die Genauigkeit der Empfehlungen hängt von der Nähe zur Standard-Laktationskurve ab; bei stark abweichenden Tieren sinkt die Präzision. Für den breiten Einsatz sind Schnittstellen zu Herdenmanagement-Programmen hilfreich und zu empfehlen. 4
Einordnung & Transfer
Fachbeiträge der RinderAllianz und LFA MV erläutern die Modellgleichungen hinter dem TBS-Rechner und die getrennte Betrachtung von Erst- vs. Mehrlaktierenden. Präsentationen im Rahmen des FBN Dummerstorf (Nutztier-Forum) haben das Konzept und die App vorgestellt; die zugehörigen Vortragsfolien sind beim FBN verlinkt. 2 6
Fazit
VerLak ist kein Herden-Dogma, sondern ein tierindividueller Managementbaustein: richtig eingesetzt kann es Leistung stabil halten, Abgänge nicht erhöhen und den Antibiotikaeinsatz tendenziell senken – mit dem TBS-Rechner als praxistauglichem Entscheidungswerkzeug.
Quellen:
- https://www.nutztierhaltung.de/mud-tierschutz/wissen-dialog-praxis/milchkuehe/projekt-verlak ↩︎
- https://www.rinderallianz.de/antibiotikaeinsparung-in-der-milchviehhaltung-das-verlak-projekt ↩︎
- https://www.landwirtschaft-mv.de/static/LFA/Dateien/Hefte/MdLFA_Heft66.pdf ↩︎
- https://www.bauernzeitung.de/agrarpraxis/tierhaltung/verlaengerte-laktation-was-tierhalter-aus-der-praxis-berichten ↩︎
- https://www.nutztierhaltung.de/mud-tierschutz/wissen-dialog-praxis/milchkuehe/projekt-verlak/ohne-grosse-hindernisse-zur-angepassten-laktation ↩︎
- https://www.fbn-dummerstorf.de/aktuelles/news/meldungen/news/der-tierhaltung-eine-zukunft-geben-nutztier-forum-am-fbn ↩︎